Home Tomatenanbau Strauchtomaten anbauen – Sorten und Pflege – Darf man sie ausgeizen?

Strauchtomaten anbauen – Sorten und Pflege – Darf man sie ausgeizen?

von Marc
reife Tomaten am Tomatenstrauch

Wer nur wenig Platz zur Verfügung hat, ist mit dem Anbau von Strauchtomaten gut beraten. Denn diese haben einen kompakten Wuchs und lassen sich problemlos auf dem Balkon oder auf der Fensterbank anbauen.Die Vorteile für die Buschtomaten sprechen für sich: Denn sie sind nicht nur relativ kleinbleibend, sondern gelten zudem als äußerst pflegeleicht. Denn im Gegensatz zu anderen Tomatensorten ist das Ausgeizen bei dieser Sorte nicht empfehlenswert. Wenngleich die Tomatenernte meist nicht ganz so ertragreich ausfällt, ist deren Aroma umso intensiver. Denn geschmacklich stehen die robusten Buschtomaten ihren Verwandten um nichts nach, sondern bestechen durch ihr kräftiges Aroma. Hinzu kommt, dass sie trotz ihrer Süße kaum Kalorien haben und somit ohne Bedenken genascht werden können.

Standort

Strauchtomaten lassen sich sowohl im Freiland als auch auf dem Balkon anbauen. Dank ihres kompakten Wuchses und einer Höhe von 30 bis 50 Zentimetern werden sie jedoch bevorzugt im Kübel kultiviert. Bei der Standortwahl ist jedenfalls die Wuchsform dieser Tomatensorte zu berücksichtigen, denn sie wächst mehr in die Breite als in die Höhe. Deswegen sollte ausreichend Abstand zu anderen Pflanzen gewährleistet sein, wobei ein Pflanzabstand von mindestens 80 Zentimetern empfehlenswert ist. Bei der Standortwahl sind zudem folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • sonniger und heller Standort
  • mindestens 8 Stunden Sonnenlicht täglich
  • geschütztes Plätzchen
  • allerdings möglichst luftig
  • für die Kultur im Kübel ist ein Süd-Balkon optimal
  • westlich oder östlich gerichteter Balkon eignet sich auch

Töpfe und Kübel

TomatenpflanzenDie kleinwüchsigen Strauchtomaten werden vermehrt in Kübeln als im Freiland kultiviert. Für den Anbau eignen sich Pflanzgefäße aus Ton, Holz, Eternit oder Kunststoff. Wichtig ist, dass der Behälter ein Abflussloch hat, sodass Staunässe vermieden wird. Damit das überschüssige Wasser läuft noch besser ab, wenn das Abzugsloch mit Tonscherben abgedeckt wird. Das passende Pflanzgefäß hat zudem folgende Merkmale:

  • Größe des Topfes abhängig von Sorte
  • ideale Topfgröße etwa 3 bis 10 Liter
  • lieber zu groß als zu klein
  • Wurzeln benötigen ausreichend Platz
  • optimal ist ein Wasserspeicher
  • dieser versorgt die Pflanzen tagelang mit Wasser
  • eine Anzeige des Wasserstands ist ideal

Boden/Substrat

Die Tomatenpflanzen bevorzugen – unabhängig von der Sorte- einen möglichst nährstoffreichen Boden. Für die Kultur im Kübel gibt es hierfür spezielle Tomatenerde, welche auf die Bedürfnisse der Tomaten abgestimmt und reich an Mineralstoffen ist. Ganz gleich, wo die Pflanzen angebaut werden, bevorzugen sie folgende Bodeneigenschaften:

  • locker und gut durchlässig
  • Erde soll Feuchtigkeit gut aufnehmen können
  • möglichst kalkhaltig
  • leicht saures Milieu ist ideal
  • pH-Wert zwischen 6,5-7,0
  • ideal ist ein integrierter Langzeitdünger

Tipp: Ob sich die Erde im Garten für den Tomatenanbau eignet, lässt sich feststellen, indem diese zu einem Schneeball geformt wird. Wenn dieser immer wieder auseinanderfällt, eignet sich die Erde für die Tomaten.

Aussaat

Tomaten aus Samen ziehenStrauchtomaten lassen sich wie die anderen Sorten ebenfalls ab Anfang/Mitte März auf der Fensterbank aussäen. Hierfür wird jedenfalls eine nährstoffarme Anzuchterde benötigt, welche bestenfalls feinkrümelig ist und gut Wasser speichern kann. Als Behälter eignen sich sowohl eine spezielle Anzuchtschale als auch kleine Töpfe aus Torf oder Zellulose. Für die Aussaat von vielen Tomatenpflanzen bieten sich hingegen sogenannte Multitopfplatten an. Das Aussäen der Tomatensamen gestaltet sich wie folgt:

  • Substrat in die Behälter geben
  • Samen verteilen
  • optimal ist ein Abstand von etwa 3 cm
  • Samen mit Substrat bedecken
  • vorsichtig bewässern
  • Behälter abdecken, jedoch nicht ganz verschließen
  • Abdeckung täglich abziehen, sodass die Luft zirkulieren kann
  • Substrat stets feucht halten
  • an einen hellen Standort stellen
  • ideale Temperatur zwischen 20-24 Grad

Pikieren

Tomate auslösenNach rund 10 bis 14 Tagen wachsen die Sämlinge aus der Erde und bilden ein bis zwei Wochen darauf die ersten Blätter. Dies ist der ideale Zeitpunkt, um die Pflanzen zu pikieren und sie in eigene Pflanzgefäße zu setzen. Um die Sämlinge zu stärken, lohnt es sich, sie einige Tage vor dem Pikieren mit einem Flüssigdünger zu versorgen. Zudem hat es sich bewährt, die Keimlinge zwei bis drei Stunden vor dem Umsetzen zu gießen. Sind die Pflanzen entsprechend vorbereitet, werden sie wie folgt pikiert:

  • Erde um den Sämling auflockern
  • hierfür eignet sich ein Pikierstab oder Löffel
  • Sämling vorsichtig aus dem Gefäß entnehmen
  • Pflanze von Erde befreien
  • Wurzelwerk überprüfen
  • bestenfalls sind die Wurzeln weiß und kräftig
  • Wurzeln auf etwa 2 cm kürzen
  • Sämling in den neuen Behälter setzen
  • Gefäß mit Erde auffüllen
  • Substrat sanft andrücken
  • vorsichtig gießen

Tipp: Wenn die Wurzeln braun und/oder besonders dünn sind, sollte der Sämling entsorgt werden. Denn in der Regel entwickeln diese sich nicht anständig weiter und tragen kaum oder keine Früchte.

Abhärten

Tomaten zum richtigen Zeitpunkt setzenDa die frisch pikierten Jungpflanzen noch schwach und verletzlich sind, sollten sie die ersten Tage nach dem Umsetzen noch im geschützten Innenraum aufbewahrt werden. Nach einigen Tagen ist es ratsam, sie auf die Fensterbank zu stellen, sodass sie sich langsam an die Sonne gewöhnen können. Ab Ende April/Mai werden sie vorsichtig abgehärtet, indem sie stundenweise in den Außenbereich gestellt werden. Hierbei gilt es, Folgendes zu beachten:


  • Temperatur darf nachts nicht unter 10 Grad fallen
  • Außentemperatur mindestens 8 Grad
  • optimal ist ein halbschattiger Standort
  • direkte Mittagssonne vermeiden
  • Pflanzen könnten sonst Sonnenbrand bekommen
  • vor Wind und Regen geschützt
  • bei zu starker Witterung die Pflanzen nach innen bringen
  • oder sie mit einem Regenschutz versehen
  • hierfür eignet sich beispielsweise eine Tomatenhaube

Einpflanzen

Wann die Tomaten eingepflanzt werden können, hängt in erster Linie von deren zukünftigem Standort ab. Strauchtomaten werden bevorzugt in Kübeln kultiviert und auf dem Balkon oder Terrasse platziert. Demnach ist der optimale Zeitpunkt nach den Eisheiligen, genauer gesagt ab dem 20. Mai. Denn zu dieser Zeit ist es zum einen wesentlich trockener und die Wahrscheinlichkeit von Nachtfrost ist geringer. Im frostfreien Gewächshaus können die Tomaten jedoch bereits ab Mitte/Ende April eingesetzt werden.

Rankhilfe

Rankhilfe, Stab, BambusStrauchtomaten zeichnen sich durch ihren buschartigen Wuchs aus, denn sie wachsen bevorzugt in die Breite statt in die Höhe. Allerdings sollten ihre Triebe dennoch gestützt werden, sodass sie auch starkem Wind standhalten können. Bei der Wahl der passenden Rankhilfe für Strauchtomaten ist die zu erwartende Wuchshöhe zu berücksichtigen. Denn im Gegensatz zu Stabtomaten erreichen die meisten Strauchtomaten nur eine Höhe von etwa 50 Zentimetern, weshalb die Rankhilfe nicht ganz so groß ausfallen muss. Die Buschtomaten lassen sich wie die anderen Tomatensorten unter anderem mit folgenden Stützen absichern:

  • Tomatenstäbe aus Kunststoff
  • es eignet sich jedoch auch Holz, Bambus oder Metall
  • Pyramiden
  • Obelisken
  • Spaliere

Tipp: Viele Buschtomaten lassen sich in dekorativen Hängeampeln kultivieren und benötigen demnach keinerlei Rankhilfe.

Düngen

Wenngleich die Strauchtomaten meist kompakter wachsen als die gängigen Stabtomaten, zählen sie dennoch zu den Starkzehrern. Demnach möchte auch diese Tomatensorte laufend mit Nährstoffen versorgt werden, weshalb das Düngen ein essenzieller Bestandteil der Pflege ist. Je nachdem, wie Tomaten kultiviert werden, bieten sich unterschiedliche Düngemittel an. Für die Kultur im Freiland und im Gewächshaus eignet sich beispielsweise Kompost sowie Viehmist. Werden die Strauchtomaten jedoch im Kübel angebaut, bieten sich folgende Düngemittel an:

  •  Flüssigdünger
  • alle 2 bis 3 Wochen bis zum Fruchtansatz
  • danach einmal wöchentlich düngen
  • Düngestäbchen oder Drops
  • enthalten meist Langzeitdünger

Tipp: Als Zusatzpräparat eignen sich verschiedenste Hausmittel wie beispielsweise Brennnesselsud oder Kaffeesatz. Diese versorgen die Tomaten ebenfalls mit Nährstoffen, reichen jedoch nicht alleiniges Düngemittel.

Gießen

Die Pflege der Tomaten beinhaltet neben dem Düngen natürlich auch die optimale Wasserversorgung. Eine hilfreiche Unterstützung bei der Bewässerung stellen Wasserspeicher dar, welche in die Pflanzgefäße integriert sind. Vor allem an besonders heißen und/oder trockenen Tagen profitieren die Tomatenpflanzen von einem Wassertank. Denn die Gewächse möchten stets feucht gehalten und wie folgt bewässert werden:

  • bestenfalls mit Regenwasser gießen
  • alternativ eignet sich auch abgestandenes, lauwarmes Leitungswasser
  • immer von unten gießen
  • Blätter nicht befeuchten
  • im Sommer mehrmals gießen
  • damit die Erde nicht austrocknet
  • am besten morgens bewässern
  • oder am Nachmittag bzw. in den frühen Abendstunden

Ausgeizen

Tomaten ausgeizenStrauchtomaten wachsen mehrtriebig und erhalten dadurch ihren typischen buschartigen Wuchs. Die Triebe stellen jedoch das Wachstum ein, sobald sie einige Blätter und Blüten gebildet haben. Allerdings wachsen laufend neue Seitentriebe mit weiteren Blütenständen heran, wodurch es jedoch keine Geiztriebe im eigentlichen Sinn gibt. Somit beinhaltet die Pflege der Strauchtomaten im Gegensatz zu den anderen Tomatensorten grundsätzlich keinen Schnitt und auch das Ausgeizen ist bei dieser Sorte nicht erforderlich. Manche Strauchtomaten profitieren jedoch vom Ausgeizen, wie beispielsweise die Sorte “Rotkäppchen”.

Überwintern

Wenngleich die Tomaten generell nicht als winterhart gelten, können sie dennoch mit etwas Geschick überwintert werden. Denn insbesondere die kleinwüchsigen Strauchtomaten versprechen hierbei gute Erfolgsaussichten. Für im Gewächshaus kultivierte Gewächse ist hierfür auf eine ausreichende Lichtzufuhr zu achten. Zudem sollte die Temperatur jederzeit zwischen 22 und 24 Grad liegen. Die Pflege im Winter beinhaltet zwar das Düngen und Gießen, allerdings wird beides stark reduziert. Im Topf kultivierte Strauchtomaten werden hingegen wie folgt überwintert:

  • in den Innenbereich holen
  • ideal ist ein ungeheizter Wintergarten
  • heller Standort
  • bei Bedarf künstlich beleuchten
  • Temperatur maximal 15 Grad
  • nicht düngen
  • Substrat feucht halten

Ernte und Lagerung

Der Ernteertrag der Strauchtomaten fällt in der Regel etwas geringer aus, allerdings ist dies auch schon der einzige Unterschied zu den anderen Sorten. Die Früchte lassen sich ernten, sobald diese nicht mehr grün, sondern ihre sortentypische Färbung (rot bis gelb) angenommen haben. Sie lassen sich zudem leicht von der Pflanze ablösen und haben eine weiche Haut. Die Früchte der Strauchtomate lassen sich ebenfalls direkt nach dem Pflücken verzehren, können jedoch auch wie folgt gelagert werden:

  • am besten isoliert von anderem Gemüse lagern
  • denn die Früchte enthalten viel Ethylen
  • dieser Stoff beschleunigt den Reifeprozess
  • ideal sind Temperaturen zwischen 16-18 Grad
  • Kühlschrank eignet sich nicht (zu kalt)
  • zu niedrige Temperaturen beschleunigen den Verfaulungsprozess

Sorten

Tomaten PyramideStrauchtomaten zeichnen sich durch ihren kompakten und buschförmigen Wuchs aus. Die Früchte der Strauchtomaten enthalten meist weniger Wasser und Kerne, wobei sie jedoch ein äußerst kräftiges Aroma haben. Geschmacklich sind die Tomaten meist eher süßlich und saftig, wobei dies sortenabhängig ist. Allerdings haben sie trotz ihrer Süße kaum Kalorien, weshalb sie sich problemlos als gesunder Snack genießen lassen. Zu den beliebtesten Sorten der Buschtomaten zählen:
Losetto

  • Wuchshöhe: etwa 30 cm
  • Früchte: rot und rund
  • Geschmack: intensiv und süßlich
  •  Anbauen: Balkon, ideal in Ampeln

Balconi Red

  • Wuchshöhe: etwa 30 cm
  • Früchte: rot
  • Geschmack: süßlich
  • Besonderheiten: pflegeleicht
  • Anbauen: eignet sich auch für Hängeampeln

Maglia Rosa

  • Wuchshöhe: bis zu 1 Meter
  • Früchte: rot, leicht helle Flammung
  • Geschmack: süß-sauer, je reifer desto milder
  • Besonderheiten: Früchte möglichst früh ernten, denn dann schmecken sie besser
  • anbauen: Kübel

Extreme Bush

  • Wuchshöhe: etwa 1 Meter
  • Früchte: rotorange, flach geformt und leicht gerippt
  • Geschmack: sehr süß und saftig
  • Besonderheiten: sehr große Früchte, trotz der Größe bleibt die Pflanze relativ klein
  • Anbauen: Kübel, Rankhilfe eventuell erforderlich

Rotkäppchen

  • Wuchshöhe: etwa 55 cm
  • Früchte: rot und rund
  • Geschmack: saftig und süß
  • Besonderheiten: ausgeizen erforderlich
  • Anbauen: Balkon

Hier weiterlesen