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Tomaten im Gewächshaus bestäuben: Anleitung | Tomatenblüten

von Marc
Tomatenblüte

Damit Tomaten überhaupt Früchte tragen, müssen diese zunächst bestäubt werden. Im Freien übernehmen das Bestäuben der  Wind und Insekten, wohingegen im Gewächshaus etwas Unterstützung vom Hobbygärtner gefragt ist. Hierfür bieten sich unterschiedliche Methoden an, welche wir Ihnen in diesem Artikel vorstellen.

Der Anbau von Tomaten im Gewächshaus bringt etliche Vorteile mit sich, immerhin können die Pflanzen in geschützter Umgebung wachsen und gedeihen. Ein Gewächshaus bietet optimalen Schutz vor der Witterung und zugleich die Möglichkeit, das ideale Klima für die Tomatenpflanzen zu schaffen. All das sind essenzielle Faktoren für eine ertragreiche Ernte, allerdings bilden Tomaten nur Früchte, wenn sie zunächst bestäubt werden. In der freien Natur wird dieser Vorgang durch den Wind sowie von Bienen und Hummeln vorgenommen. Im Gewächshaus fallen diese Faktoren jedoch teilweise weg, weshalb der Hobbygärtner bei der Befruchtung der Tomaten nachhelfen muss.

Optimale Voraussetzungen

Damit Tomaten überhaupt befruchtet werden können, sind neben natürlichen Helferlein auch weitere Faktoren zu berücksichtigen. Zunächst müssen die Pollen erstmal freigesetzt werden und keimfähig sein. Hierfür sind wiederum bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, denn sowohl die Luftfeuchtigkeit als auch die Temperatur spielen eine essenzielle Rolle. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus lässt die Pollen verklumpen und/oder verhindert, dass diese überhaupt freigesetzt werden. Wird die Luftfeuchtigkeit jedoch auf ein Minimum reduziert, beeinträchtigt dies die Keimfähigkeit der Pollen. Im Gewächshaus lassen sich die optimalen Bedingungen jedoch schnell und unkompliziert schaffen:

  • ideale, relative Luftfeuchtigkeit: 50-80 %
  • zu feucht: 80-85 %
  • zu trocken: 50-80 %
  • ideale Temperatur: 18-25 Grad
  • zu heiß: 30 Grad
  • Zeitpunkt: nach dem Öffnen der Blüte, etwa 2 Tage lang
  • ideale Uhrzeit: 9-10 Uhr

Hinweis: Pollen sind in den frühen Morgenstunden meist noch verklebt, sodass eine Bestäubung nur geringe Erfolgschancen verspricht. Ebenso trocknet die Narbe mit voranschreitender Uhrzeit immer mehr aus und hindert somit die Pollen am Haften.

Bestäubung durch Bienen und Hummeln

Während im Freien natürliche Helferlein wie Bienen und Hummeln problemlos zu den Tomaten gelangen können, muss man ihnen im Gewächshaus zunächst Zutritt verschaffen. Hierfür ist es ratsam, Fenster und Türen regelmäßig zu öffnen und bei passendem Wetter tagsüber offen zu lassen. Falls die nützlichen Insekten nicht von selbst den Weg in das Gewächshaus finden, können diese mit den passenden Pflanzen angelockt werden. Am besten gelingt dies mit bienen- und hummelfreundlichen Pflanzen, welche einen optimalen Anreiz für die natürlichen Helferlein schaffen:

  • Hummeln: Sommerflieder, Mohn, Klee, Clematis
  • Bienen: Basilikum, Lavendel, Bienenkraut

Tomatenblühte TomateWenn das Gewächshaus ausreichend Platz bietet, kann zudem ein Hummelkasten aufgestellt und Hummeln damit angesiedelt werden. Für den Hobbygärtner ergeben sich daraus mehrere Vorteile: Zum einen werden die Hummeln direkt am gewünschten Standort angesiedelt und können somit die Tomaten leichter befruchten. Zum anderen wird den wertvollen Insekten eine Nesthilfe zur Verfügung gestellt.

Durch Rütteln bestäuben

Die einfachste und zugleich simpelste Methode ist es, die Pflanzen kräftig zu schütteln. Durch diese Bewegung fallen die Pollen heraus und können in weiterer Folge bestäubt werden. Mit einem einmaligen Schütteln der Pflanze ist es jedoch nicht getan, denn um die Erfolgsaussichten zu erhöhen, sollte der Vorgang mehrmals wiederholt werden. In der Regel ist es ausreichend, die Pflanzen alle ein bis zwei Tage sanft an den Blütentrauben zu schütteln.

Bestäubung mit Ventilator

In der freien Natur übernimmt unter anderem der Wind die Bestäubung von Tomatenpflanzen. Wer die Tomaten im Gewächshaus kultiviert, sollte daher stets gut lüften. Am besten ist es zudem, die Fenster und Türen in der warmen Jahreszeit offen zu lassen. Ist es jedoch über einen längeren Zeitraum windstill, kann man den Wind mittels Ventilators simulieren. Das Gerät wird hierfür einfach in der Nähe der Pflanzen aufgestellt, sollte jedoch nicht in voller Stärke direkt auf die Pflanzen blasen. Wer auf diese Methode zurückgreifen möchte, kann unter anderem zwischen folgenden Geräten wählen:


  • Bodenventilatoren
  • hängende Ventilatoren
  • Standventilatoren mit Drehgelenk
  • Umluftventilatoren
  • Kleinraumventilatoren

Die Luftgeschwindigkeit wirkt sich auf das Klima im Gewächshaus aus, denn sie beeinflusst die Verdunstung und Temperatur im Raum. Je stärker der Ventilator eingestellt ist, umso schneller zieht die Luft durch das Gewächshaus. Dadurch wird dem Gewächshaus wiederum schneller Wärme und Feuchtigkeit entzogen.

Bestäuben mit elektrischer Zahnbürste

Nicht immer bietet ein Gewächshaus ausreichend Platz für etwaige Geräte, sodass der Befruchtung auf anderem Weg nachgeholfen werden muss. Eine Möglichkeit stellt das sogenannte “trillern” dar, bei dem eine elektrische Zahnbürste zum Einsatz kommt. Diese simuliert durch ihre Vibration das Summen und Flügelschlagen von Hummeln, was die Bestäubung ausgelöst. Die Pollen werden freigesetzt und fallen in weiterer Folge auf die Narbe, sodass die Tomaten sich selbst bestäuben können.

  • Zahnbürste an den Stängel legen
  • knapp oberhalb der Blüte
  • elektrische Zahnbürste einschalten
  • kurz anhalten
  • bis zur Fruchtbildung täglich wiederholen

Tipp: Im Handel gibt es mittlerweile sogenannte “Tomatentriller”, welche die elektrische Zahnbürste ersetzen.

Bestäubung mit Pinsel

grüne Tomaten - BlühteWer nur einzelne Tomatenpflanzen im Gewächshaus kultiviert, kann die Befruchtung dieser vollständig übernehmen. Für diese Methode ist ein Pinsel erforderlich, wobei dieser bestenfalls auch Echthaar besteht. Ein Rotmarder-Echthaar-Pinsel ist in vielen Geschäften erhältlich und zudem vergleichsweise kostengünstig. Statt einem weichen Pinsel kann jedoch auch ein herkömmliches Wattestäbchen verwenden. Unabhängig von dem Hilfsmittel, gestaltet sich diese Variante wie folgt:

  • Pinsel zunächst sanft über Pollensäcke streichen
  • Pollen sammeln sich in den Pinselhaaren
  • anschließend vorsichtig über die Narben streichen

Tipp: Der Pinsel sollte stets trocken und niemals nass sein! Denn andernfalls verkleben die Pollen oder werden beim Waschen weggespült.

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