Home Tomatenanbau Tomaten ausgeizen – ja oder nein? Ab wann? Bebilderte Anleitung

Tomaten ausgeizen – ja oder nein? Ab wann? Bebilderte Anleitung

von Feli
Tomaten ausgeizen

Wer eine ertragsreiche Ernte sowie prächtige saftige Tomaten erzielen möchte, kommt um das Ausgeizen der Tomatenpflanzen nicht herum. Während gewisse Sorten auf diesen Pflegeaufwand verzichten können, ist dieser für Stabtomaten unabdingbar.

Vor- und Nachteile des Ausgeizens

Das Ausgeizen der Tomatenpflanzen ist in erster Linie für das Wachstum der Tomaten förderlich. Denn je weniger überschüssige Seitentriebe vorhanden sind, umso mehr Nährstoffe und Energie bleiben für die Tomaten übrig. Dadurch werden sie wesentlich größer und saftiger. Die Meinungen über die Notwendigkeit dieser Pflegeprozedur sind unterschiedlich. Zumal es zahlreiche Vor- und Nachteile gibt:

Vorteile

  • größere Tomaten
  • die Pflanze benötigt weniger Platz
  • die abgeschnittenen Triebe als Dünger verwenden
  • beugt Ausbreitung von Pilzerkrankungen vor

Nachteile

  • es entstehen offene Wunden an der Pflanze
  • dadurch können Krankheitserreger leichter eindringen
  • die Pflanze verliert an Stabilität
  • deshalb muss die Pflanze mit einem Stab oder einem Gitter gestützt werden
  • regelmäßiger Pflegeaufwand – etwa einmal wöchentlich
  • bei unregelmäßigem Ausgeizen ist der Aufwand dementsprechend höher
  • es erfordert Fachkenntnis
  • da bei falscher Vorgehensweise kann man aus versehen Fruchttriebe entfernen
  • dadurch könnte sich die Ernte verringern

Anleitung – Tomaten ausgeizen

Wie werden die Tomatenpflanzen ausgegeizt?

Das Ausgeizen der Tomatenpflanzen erfordert nicht sonderlich viel Zeit, jedoch ein ausgeprägtes Fingerspitzengefühl sowie eine gewisse Fachkenntnis. Denn bei falscher Vorgehensweise kann die Pflanze verletzt und Krankheitserreger können übertragen werden. Die Entfernung der Geiztriebe kann sowohl mit, als auch ohne Schnittwerkzeug erfolgen.

Bevor mit dem Ausgeizen begonnen wird, muss die Pflanze zunächst auf frische Triebe untersucht werden. Das gelingt am besten, wenn von oben nach unten gearbeitet wird. Anschließend werden die überschüssigen Triebe folgendermaßen entfernt:


  • ein kleiner frischer Geiztrieb lässt sich einfach mit den Fingern abknipsen
  • dazu wird der Seitentrieb an der Basis mit dem Daumen und dem Zeigefinger gegriffen
  • nun wird er langsam vor- und zurückgebeugt, bis er sauber abbricht
  • ist ein Geiztrieb etwas älter, wird er auch fester
  • dann wird er sanft zur Seite weggeknickt
  • normalerweise bricht er an der sogenannten Sollbruchstelle
  • niemals die Triebe ausreißen
  • denn dadurch können größere unregelmäßige Wunden entstehen
  • ist ein Seitentrieb bereits wesentlich älter, muss er abgeschnitten werden
  • dabei nie zu tief in die Blattachseln schneiden
  • nicht über der Blütendolde schneiden
  • ein blühender Seitentrieb ebenfalls entfernen

Geiztrieb bei Tomatenpflanze

Grundsätzlich werden alle Triebe bis auf vier oder fünf Stück, entfernt. Das stellt sicher, dass die Pflanze nicht zu viel Energie und Nährstoffe für die überschüssigen Seitentriebe vergeudet. Sie kann somit die gesamte Kraft in die Haupttriebe und die dort befindlichen Früchte investieren.

Tomaten ausgeizen

Haupttrieb kürzen

Hat die Tomatenpflanze eine gewisse Höhe erreicht, sollte sie nach dem vierten oder fünften Blütenstand gekappt werden. Denn je höher sie wächst, umso mehr Tomaten trägt sie. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass der Haupttrieb das Gewicht der Früchte nicht mehr tragen kann und infolgedessen bricht. Zudem würden die Tomaten nicht mehr vollständig reifen, da der Sommer endet. Zudem hat das den Vorteil, dass die Pflanze dadurch mehr Energie für die anderen Früchte hat. Dies macht sich wiederum am Geschmack bemerkbar.

Wichtige Fragen

Man kann nicht immer Alles richtig machen, aber wir haben uns bemüht die wichtigsten Fragen zu beantworten um die häufigsten Fehler zu vermeiden.

Abknipsen oder abschneiden?

Wer seine Tomatenpflanze von den überschüssigen Trieben befreien möchte, steht vor der Wahl, ob er dies mit oder ohne Schnittwerkzeug durchführt.

Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile:

Knipsen – einfaches Beschneiden

  • Zeitaufwand geringer
  • Pflanzenteile können nicht unabsichtlich zwischen die Klingen geraten
  • rasch und regelmäßig knipsen – keine Faserbildung = Wunden bleiben klein und keine Infektion entsteht
  • Pflanzensaft hinterlässt Spuren an Haut und Nägel – vermeidbar durch Handschuhe (sollten sauber / keimfrei sein)
  • das Eincremen der Hände schützt ebenfalls vor Rückständen des Pflanzensaftes

Mit Schnittwerkzeug

  • beim Abschneiden werden gerade Schnittwunden hinterlassen
  • diese Wunden heilen besser
  • das Werkzeug lässt sich schnell reinigen und desinfizieren
  • vermindert Infektionsrisiko
  • bei kleinen Pflanzen und Geiztrieben ist das Arbeiten mit Schnittwerkzeug schwerer
  • Fruchttriebe können versehentlich abgeschnitten werden
  • dadurch verringert sich die Ernte

Gartenschere

Wann und wie oft?

Wie oft ausgegeizen?

Das Entfernen der überschüssigen Seitentriebe ist grundsätzlich ein regelmäßiger Arbeitsaufwand. Wann genau mit dem Ausgeizen begonnen werden kann, hängt zunächst von der Jungpflanze ab. Denn der früheste Zeitpunkt um damit zu beginnen ist, wenn diese sich ausreichend eingewurzelt hat. Da die Pflanze nun unentwegt (und vor allem schnell) weiterwächst, muss sie dementsprechend bis zur letzten Blüte im September, immer wieder gestutzt werden. In der Regel ist dieser Vorgang ein bis zwei Mal wöchentlich zu wiederholen.

Wann ist der ideale Zeitpunkt?

Beim Abschneiden der Seitentriebe werden der Pflanze Verletzungen zugefügt, welche offene Wunden hinterlassen. Wer den Heilungsprozess der Schnittwunden unterstützen möchte, sollte darauf achten, wann er die Triebe entfernt. Die Genesung lässt sich zudem durch die richtige Vorbereitung fördern. Diese Tipps helfen der Pflanze, sich zu erholen:

  • das Gewächs am Vortag gießen
  • denn trockene Pflanzen haben ein schlaffes Gewebe
  • dadurch können die Wunden größer ausfallen
  • an einem trockenen, leicht windigen Morgen durchführen
  • denn mit Hilfe der Sonne trocknen die Schnittwunden besser
  • bei Regen das Abknipsen auf einen anderen Tag verschieben

Zusätzlich entfernt man im August die neuen Blüten. Die Pflanze würde diese nämlich mit Nährstoffen und Energie versorgen, obwohl diese nicht mehr reifen. So ist sichergestellt, dass all die notwendigen Stoffe für die bereits vorhandenen Tomaten verwendet werden.

Welche Sorte?

Welche Tomatenpflanzen gegeizt man aus?

Wer sich zum Ausgeizen entschließt, sollte sich vorab über die Sorte seiner Tomatenpflanzen informieren. Für manche Sorten ist dieser Pflegeaufwand förderlich, wohingegen anderen Arten dadurch geschadet werden kann. Grundsätzlich wird zwischen Strauch– und Stabtomaten unterschieden:

Strauch- bzw. Buschtomaten

  • haben ein kontrolliertes Wachstum
  • das heißt, dass die Triebe von alleine aufhören zu wachsen
  • wachsen buschförmig
  • sind kompakter als Stabtomaten
  • nicht ausgeizen
  • weil sie alle Triebe für das Wachstum der Tomaten benötigen
  • Vertreter dieser Sorte sind beispielsweise: Partytomaten, Balkontomaten, Wildtomaten

Stabtomaten

  • sind die meist verbreiteten Tomatenpflanzen
  • machen rund 70 Prozent der weltweiten Tomatenernte aus
  • wachsen wie Wein und bilden lange Triebe
  • stützt man mit Stäben
  • bilden bis Herbst permanent neue Blüten und Blätter
  • ausgegeizt
  • im August kappt man die Triebspitze
  • Vertreter dieser Sorte sind beispielsweise: Fleischtomaten, Kirschtomaten

Stabtomaten

Zusätzlich gibt es einige Tomatenpflanzen, die sich ähnlich wie Paprikapflanzen verzweigen. Zu diesen Sorten zählen unter anderem schwarze Birne und Striped Roman. Bei diesen Pflanzen muß man die Verzweigungen wie Geiztriebe entfernen.

Geiztrieb erkennen

Woran lässt sich ein Geiztrieb erkennen?

Ein Geiztrieb ist ein überschüssiger Seitentrieb, der sich an diesen Merkmalen erkennen lässt:

  • wächst nicht direkt am Haupttrieb der Pflanze
  • sitzt in den Blattachseln
  • das ist die Schnittstelle zwischen Haupt- und Fruchttrieb
  • befindet sich also inmitten zweier Stängeln
  • manchmal bildet er sich hinter den Blüten
  • umso frischer (und kleiner) der Geiztrieb ist, umso besser lässt er sich erkennen
  • Geiztrieb bildet zuerst Blätter, nicht Blüten

Geiztrieb

Wenn die Geiztriebe größer werden, drücken sie die Blattachseln auseinander. Dadurch wird es schwieriger, sie von Blütentrieben zu unterscheiden. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass sie niemals in den Blattachseln wachsen, sondern direkt am Ende eines Triebes. Bilden sich vermehrt Geiztriebe, bekommt die Tomatenpflanze zu wenig Sonnenlicht.

Das Entfernen der überschüssigen Triebe ist durchaus empfehlenswert, wenn größere Früchte erstrebt werden oder wenn Platzmangel vorliegt. Dennoch sollte man beachten, dass es sich bei diesem Vorgang um eine Verletzung der Pflanze handelt. Die fachgerechte Vorgehensweise ist dabei ebenso essentiell wie der richtige Zeitpunkt.

Hier weiterlesen