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Tomaten bestäuben: wie sie beim Befruchten nachhelfen können

von Marc
blühende Tomate

Die Bestäubung von Tomaten ist essenziell für eine ertragreiche Ernte, denn nur bestäubte Blüten tragen Früchte. Erfahren Sie hier, wie Sie die Bestäubung unterstützen können und welche Methode sich am besten für Sie eignet!

Eine ertragreiche Ernte ist nur dann gewährleistet, wenn zahlreiche Blüten erfolgreich bestäubt wurden. In der freien Natur sorgen der Wind sowie Bienen und Hummeln für die Bestäubung, sodass ein Zutun des Menschen in der Regel nicht erforderlich ist. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen möchte, kann der Bestäubung mit einfachen Handgriffen unter die Arme greifen.

Bestäubung von Tomaten

Ein Großteil der Tomatensorten ist selbstfertil, das heißt, dass sie sich selbst befruchten können. Denn die Tomatenblüten sind zwittrig, da sie sowohl mit einer Narbe als auch mit Pollensäcken ausgestattet sind. In den Pollensäcken befinden sich die Pollen, welche freigesetzt werden, sobald die Narben befruchtungsfähig sind. Dadurch ist es den Tomaten möglich, sich selbst zu befruchten. Allerdings sitzen die Pollen relativ fest in den Pollensäcken, weshalb der Befruchtung von der Natur nachgeholfen wird:

  • Wind
  • Bienen
  • Hummeln

Tipp: Nicht selbstbefruchtende Tomaten lassen sich optisch leicht erkennen, denn deren Blütennarbe ragt aus den Blättern heraus. Diese Tomatensorten benötigen eine zweite Tomatenpflanze für die Bestäubung.

Optimale Bedingungen

grüne Tomaten am StrauchNicht nur die natürlichen Helferlein spielen eine essenzielle Rolle bei der Bestäubung, sondern auch die Umgebungsbedingungen. Denn damit die Pollen überhaupt freigesetzt werden und keimfähig sind, müssen gewisse Bedingungen herrschen. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit führt beispielsweise dazu, dass die Pollen verklumpen oder erst gar nicht freigesetzt werden. Ist es hingegen zu trocken, reduziert sich die Keimfähigkeit der Pollen enorm. Allerdings gibt es auch für die Bestäubung optimale Bedingungen:

  • relative Luftfeuchtigkeit: 50-80%
  • zu feucht: 80-85%
  • zu trocken: 50-80%
  • Temperaturen nicht über 30 Grad

Natürliche Helferlein anlocken

Im Garten und auf dem Balkon wird die Bestäubung in der Regel von natürlichen Helferlein wie Bienen und Hummeln übernommen. Doch nicht immer bietet der heimische Garten den optimalen Anreiz, um die wertvollen Insekten anzulocken. Es ist daher ratsam, hummel- sowie bienenfreundliche Pflanzen im Garten zu kultivieren, sodass die Insekten angezogen werden. Die Auswahl an möglichen Pflanzen ist enorm, sodass für jeden Hobbygärtner mit Sicherheit das eine oder andere passende Pflänzchen dabei ist.

Hummeln

  • Sommerflieder
  • Bartblume
  • Taubnessel
  • Mohn
  • Klee
  • Clematis
  • Malven

Bienen

  • Basilikum
  • Glockenblume
  • Waldrebe
  • Lavendel
  • Wildblumen
  • Bienenkraut

Hummelkästen

Tomatenblühte TomateDie natürlichen Helferlein können auch mittels Hummelkasten im Garten angesiedelt werden. Diese Methode ist besonders umweltfreundlich, denn ein Großteil der Hummelarten ist mittlerweile leider stark gefährdet. Das Aufstellen eines Hummelkastens bringt somit gleich mehrere Vorteile mit sich: Zum einen stehen den Tomaten Helferlein für die Bestäubung und zum anderen steht den geschützten Insekten eine Nisthilfe zur Verfügung. Der Hummelkasten wird am besten wie folgt aufgestellt:

  • etwa 4-7 Tage vor der Blüte
  • an einem schattigen Standort
  • keinesfalls direkte Sonne!
  • in Bodennähe aufstellen

Tipp: Hummeln speichern die genauen GPS-Koordinaten ihres Zuhauses ein, weshalb der Kasten nach der Besiedelung nicht mehr umgesetzt werden sollte. Denn bereits das Verschieben von wenigen Zentimetern verwirrt die Insekten so sehr, dass sie nicht mehr nach Hause finden.

Bestäubung per Hand

Das Gewächshaus bietet den Tomaten zwar eine geschützte Umgebung, allerdings birgt es auch einen Nachteil mit sich. Denn weder Wind noch die natürlichen Helferlein haben direkten Zugang zu den Tomatenpflanzen. Es ist daher ratsam, der Bestäubung im Gewächshaus etwas nachzuhelfen. Bereits einfache Handgriffe wie das Aufstellen eines Ventilators oder das sanfte Rütteln der Pflanze kann hierbei Erfolg versprechend sein. Noch besser ist es jedoch, die Tomaten ab dem Aufblühen der Blüten gezielt zu bestäuben:

Bestäubung mit elektrischer Zahnbürste

  • wird auch „trillern“ genannt
  • Hummeln werden simuliert
  • Zahnbürste knapp oberhalb der Blüte ansetzen
  • Pollen werden durch Vibration freigesetzt
  • fallen dadurch auf die Narben

Bestäubung mit Pinsel

  • eignet sich vor allem für wenige Tomatenpflanzen
  • mit weichem Pinsel über Narben und Pollensäcke streichen
  • Pollen sammeln sich in den Haaren
  • deswegen immer denselben Pinsel verwenden
  • Pinsel nicht nass werden lassen!
  • Pollen verkleben sonst oder werden abgewaschen

Tipp: Der optimale Zeitpunkt für die Bestäubung ist der frühe Vormittag, am besten zwischen 9 und 10 Uhr. Denn zu früh am Morgen sind die Pollen meist noch verklebt und zu einer späteren Tageszeit wird die Narbe zu trocken, sodass die Pollen nicht mehr haften können.

Sortenreine Vermehrung

grüne Tomaten - BlühteWer eine Vermehrung durch Tomatensamen anstrebt, möchte höchstwahrscheinlich eine bestimmte Sorte züchten. Wenn jedoch mehrere Tomatensorten nebeneinander kultiviert werden, kann es während der Bestäubung durchaus zu einer Fremdbestäubung und somit zu Kreuzungen kommen. Allerdings lässt sich die Sortenreinheit mit wenigen Handgriffen vor dem Aufblühen der Blüten sicherstellen:

  • Pflanze oder einzelne Rispen umhüllen
  • mit engmaschigem Insektennetz
  • beispielsweise aus Tüll oder Gaze
  • Blütenblätter sollten jedoch ausreichend Platz haben
  • müssen sich entfalten können
  • bei Bedarf überschüssige Blätter ausbrechen

Tipp: Einzelne Blüten lassen sich ideal mit einem Teefilter vor Fremdbestäubung schützen.

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