Kraut- und Braunfäule

Die Braunfäule an Tomaten und der Anbau widerstandsfähiger Sorten

Eine kurze Abhandlung für Hobbygärtner und Selbstversorger, verfasst von Gerhard Bohl.

Zur Biologie des Braunfäule-Pilzes
Der Braunfäule-Pilz Phytophthora infestans ist ein Algenpilz. Viele Algenpilze leben im Wasser. Der Braunfäule-Pilz aber hat sich für die Lebensweise auf dem Land entschieden. Dennoch braucht auch er zum Überleben und zur Vermehrung Wasser und verträgt keine übermäßig hohen Temperaturen. So knapp über 20 °C sind optimal für seine Entwicklung.

Phytophthora infestans ist ein Pilz mit einer rasanten Vermehrungsrate. Schon Tage nach der Infektion, z. B. eines Blattes, streut er bei günstigen Bedingungen Zoosporen aus, die weitere Pflanzenteile befallen.

Bald wachsen aus den infizierten Stellen mehrfach verzweigte, ästchenartige Sporenträger, die an ihrem Ende oval-tröpfchenförmige Sporangien tragen. Diese aufsitzenden Sporangien sind nur etwa 0,03 Millimeter groß. Mit bloßem Auge erkennt man einen feinen, weißlichen, schimmelartigen Belag.

Aus den ovalen Sporangien quellen Zoosporen, die vom Wind weggetragen werden. Die Zoosporen haben eine Größe von 0,001 bis 0,007 Millimeter. Gelangen sie auf ein Blatt, eine Frucht oder den Stängel einer Tomatenpflanze, so dringen sie mittels eines Keimschlauches (gleich einer Wurzel) in die Pflanze ein. Das geschieht über natürliche Spaltöffnungen oder auch an verletzten Stellen. Diese müssen aber nass sein, sonst können die Zoosporen nicht keimen.

Deshalb entfaltet der Pilz eine zerstörende Wirkung in kühlen und regenreichen Sommern, insbesondere in ungünstigen Klimaten/Gegenden mit Nebel- und Taubildung. Je länger die Pflanzenteile feucht oder nass sind, desto massiver ist der Befall durch Phytophthora infestans, denn etwa sieben Stunden genügen zur Keimung der Sporen.

Die Konzentration keimfähiger Zoosporen in der Luft ist temperatur- und feuchtigkeitsabhängig. In trockener und heißer Luft sterben sie innerhalb dreier Stunden. Bei hoher Luftfeuchtigkeit leben sie wesentlich länger, insofern steigt der Befallsdruck bei solchen Witterungsverhältnissen. Regnen muss es dabei nicht, Tau und Nebelbildung genügen.

Phytophthora infestans verursacht außerdem die Knollenfäule bei Kartoffeln und befällt darüber hinaus auch andere Nachtschattengewächse, z. B. Auberginen und auch Zierpflanzen wie Solanum aviculare ('Poro-Poro' oder 'Känguruhapfel' genannt).

Die Kraut- und Braunfäule bricht bei uns in der Regel hauptsächlich bei Tomaten im Freilandanbau und (mit einigen Wochen Verspätung) manchmal auch in ungeheizten und schlecht belüfteten Gewächshäusern aus. Selten jedoch in beheizten (kommerziell genutzten) Gewächshäusern. Gleiches gilt für südeuropäische Tomatenexporteure: Sie haben aufgrund klimatischer Vorteile weniger Probleme mit der Braunfäule.

Ungünstige Witterung begünstigt also die Ausbreitung und den Infektionsdruck durch Phytophthora infestans. Wo Tomaten nicht im warmen Gewächshaus oder unter Dach stehen, sind sie feuchtkühler Witterung hilflos ausgesetzt. In schlechten Sommern haben empfindliche Sorten gegen Phytophthora infestans keine Chance.

Übertragungsweg der Braunfäule

Die Zoosporen gelangen mit dem Wind zumeist von infizierten (Früh-)Kartoffeln auf die Tomatenstöcke. Der Pilz überwintert als Myzel in eingelagerten oder im Boden verbliebenen Kartoffelknollen, wächst dann an den Trieben hoch und streut oft schon im beginnenden Sommer Zoosporen aus.

Buschtomaten werden in aller Regel sehr frühzeitig (Juli) befallen, da die Luft im Bestand nicht wie bei Stabtomaten zirkulieren kann; oder sie werden über den Boden infiziert. Buschförmige und niedrig wachsende Tomaten-Typen sollte man daher keinesfalls in die Nähe von Stabtomaten pflanzen. Befallene Buschtomaten müssen, um angrenzende Stabtomaten schadfrei zu halten, sofort ausgerissen werden. Ebenso das kranke Laub von Frühkartoffeln.

Kranke Pflanzenteile, die man auf den Kompost gibt, sollten mit Erde, Rasenschnitt etc. abgedeckt werden, damit nicht weitere Zoosporen ausfliegen. Besser ist die Entsorgung über die Bio-Tonne, da man den Kompost sonst nicht mehr für Tomaten verwenden kann. Dauersporen des Pilzes können nämlich jahrelang im Boden, im Kompost oder auch an Pflanzstäben überdauern. Sie infizieren zumeist die unteren Blätter der Stöcke, z. B. wenn Erdpartikel mit Spritzwasser hochgeschleudert werden. So ist ungewollt schnell ein weiterer Infektionsherd geschaffen.

In der Regel kommt der Pilz aber von den Kartoffelfeldern – auch wenn diese weit entfernt sind. Es hat daher auch keinen Sinn Stäbe und Boden mit Fungiziden zu behandeln. Dies wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wichtig ist, dass die Pflanzen nicht nass werden bzw. schnell abtrocknen können. Wer gleichzeitig Stabtomaten, Buschtomaten und Kartoffeln anbauen möchte, sollte zumindest die Hauptwindrichtung beachten. Keinesfalls darf der Wind von den Beständen der Buschtomaten und der Kartoffeln auf die Stabtomaten zukommen. Der Wind muss von den Stabtomaten zu den Kartoffeln gelangen. Bei Buschtomaten ist es zudem ratsam den gesamten Bestand zu überdachen. Dann könnten sie auch nah bei den Stabtomaten stehen.

Vorbeugende Maßnahmen

Es besteht die Möglichkeit durch eine Kombination verschiedenster vorbeugender Maßnahmen den Befall durch Phytophthora infestans auch bei anfälligeren Sorten hinauszögern, wobei es im Endeffekt darum geht, eine Schlechtwetterperiode zu überwinden.

Ändert sich das Wetter nicht, kann alle Mühe umsonst sein. Folgt dagegen eine Schönwetterperiode, am besten eine Hitzewelle, können sich befallene Pflanzen auch wieder erholen, weil der Pilz sein Wachstum einstellt und die kranken Stellen von gesundem Gewebe überwachsen werden.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Phytophthora infestans in Stichworten:

- Pflanzen überdachen oder direkt an eine Hauswand oder Mauer (Süden) pflanzen.

- Buschtomaten in einiger Entfernung von Stabtomaten anpflanzen, und diese möglichst überdachen. Keinesfalls Buschtomaten unter Stabtomaten pflanzen! Kranke Buschtomaten sofort ausreißen. Auf die Windrichtung achten. Der Wind darf nicht aus Richtung der Buschtomaten kommen.

- Luftigen und sonnigen Standort wählen, damit die Pflanzen rasch abtrocknen können.

- Die Bestände locker und luftig halten. Ein- oder zweitriebig ziehen und zeitig ausgeizen. Weite Pflanzabstände wählen und eventuell zur besseren Luftzirkulation die unteren Blätter entfernen.

- Pflanzen nie mit Wasser benetzen und Spritzwasser vermeiden, indem mit nach unten gerichteter Tülle neben die Pflanzen gegossen wird. Erde nicht mit einem harten Wasserstrahl aufwühlen!

- Den Boden mulchen und wenn möglich gebrauchte Pflanzstäbe desinfizieren.

- Tomaten nicht in der Nähe von Kartoffeln anbauen. Dabei ist die Windrichtung entscheidend!

- Befallene Pflanzenteile sofort entfernen und abgefallene Früchte keinesfalls liegen lassen

- Kompost aus infizierten Pflanzen (Tomaten, Kartoffeln, Kartoffelschalen und Auberginen) nicht zur Düngung von Tomaten verwenden. Jedenfalls nicht oberflächlich ausbringen. Solches Material besser in die Bio-Tonne geben.

- Anbaufläche wechseln, auch wegen des Nematodenbefalls

- Stickstoffüberdüngung und Lagen mit mangelnder Sonneneinstrahlung vermeiden; beides schwächt das Pflanzengewebe

Bei all diesen Maßnahmen müssen wir uns vor Augen halten, dass Tomaten subtropische Pflanzen sind, die allein schon deswegen Stress ausgesetzt sind, weil sie in einem für sie ungünstigem Klima wachsen müssen. Wichtig ist eine ganz-heitliche Betrachtung. Auch zu viel Dünger (Stickstoff) oder zu viel Gießen schwächt die Pflanzen. Wichtig ist auch, dass die Pflanzen immer frei stehen. Es darf also nichts unter- und zwischengepflanzt werden. Am besten mulcht man den Boden mit Stroh, Sägespänen, Rasenschnitt oder Laub. Wer kein organisches Material hat, kann den Boden auch mit Folie (egal ob transparent oder schwarz) abdecken.

Verfasst von Gerhard Bohl, © und Vertrieb:
Gerhard Bohl, Waldstraße 40, D-90596 Schwanstetten

Das komplette Werk ist unter dieser Anschrift nur auf dem Postweg und nur auf schriftliche Bestellung erhältlich.

DIN A4, 24 Seiten, 55 Farbfotos, Vorauskasse – 5 Euro inkl. Porto

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