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Tomaten durch Stecklinge vermehren: Anleitung in 10 Schritten

von Marc
Geiztrieb

Tomatenliebhaber wissen die Vorzüge selbst angebauter Tomaten, dem Lieblingsgemüse der Deutschen, zu schätzen. Die Unterschiede im Geschmack sind enorm und so gibt es kaum einen Schrebergarten ohne Tomatenpflanzen. Wer seine Lieblingssorte gefunden hat, kann neue Pflanzen aus Stecklingen selbst ziehen. Das ist einfacher als man denkt, und macht viel Spaß. Wir zeigen in unserer Anleitung, wie die Vermehrung von Tomaten aus Stecklingen auch Anfängern gelingt.

Vermehrung von Tomaten

Wer nicht jedes Jahr neue Tomatenpflanzen kaufen möchte, kann seine Pflanzen selbst vermehren.

Möglichkeiten sind:

  • Vermehrung durch Samen
  • Vermehrung durch Stecklinge, die aus Geiztrieben gebildet werden.

Tomatensamen werden aus den reifen Früchten extrahiert. Sie müssen gut getrocknet werden und im Frühjahr in Aussaattöpfchen vorgezogen werden. Achtung, aus den industriell hergestellten Tomaten, die von sogenannten F1-Hybriden stammen, lassen sich meist keine Tomatensamen herstellen, die zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen. Tauschmärkte und diverse Internetseiten von Züchtern alter Sorten sind eine gute Wahl.

Geiztriebe, Seitentriebe, Konkurrenztriebe

Für die Vermehrung von Tomaten gibt es verschiedene Varianten:

1. Vermehrung durch Geiztriebe
Geiztriebe sind unerwünschte Triebe, die sich zwischen den Blattachseln bilden. Sie stehen in Konkurrenz zum Haupttrieb. Durch das rechtzeitige Entfernen, das sogenannte Ausgeizen, soll eine Stärkung des Haupttriebes erreicht werden, an dem sich die Früchte bilden. Geiztriebe sind daran zu erkennen, dass sie erst Blätter bilden, während Früchte tragende Seitentriebe zunächst Blüten bilden.

Geiztrieb bei TomatenpflanzeAlle Stabtomaten, das heißt, die Sorten, die an Stäben oder Spalieren wachsen, sollten regelmäßig ausgegeizt werden. Das Ausgeizen führt neben der Stärkung der Pflanze zu einer guten Belüftung und zur Verhinderung von Pilzerkrankungen. Busch- und Strauchtomaten werden nicht ausgegeizt. Die starke Verzweigung entspricht der natürlichen Form der Pflanzen.


2. Vermehrung durch Seitentriebe
Seitentriebe sind die Triebe, die sich rund um den Hauptstängel entwickeln. An den Seitentrieben bilden sich Blüten.

3. Vermehrung durch Ableger bzw. Pflanzenteile
Konkurrenztriebe sind die Triebe, die in Konkurrenz zum Hauptstängel aus dem Boden kommen. Auch diese muss man für eine optimale Entwicklung der Pflanze entfernen.

Stecklinge aus Geiz-, Seiten- und Konkurrenztrieben

Jeder einzelne Seitentrieb, Geiztrieb oder Konkurrenztrieb einer Tomatenpflanze, eignet sich zur Vermehrung. Sie können auf diese Weise sowohl Stabtomaten als auch Strauch- oder Buschtomaten heranziehen. Die Vermehrung aus Trieben ist eine perfekte Möglichkeit, die Pflanze vollständig zu verwerten. Alternativ würden Geiztriebe und abgebrochene Seitentriebe ungenutzt auf dem Kompost landen. Von Mai bis Ende August gelingt die Vermehrung durch Tomatenstecklinge aus Trieben sehr gut.

Anleitung:

1. Geiztriebe, Seitentriebe oder Konkurrenztriebe von etwa 20 Zentimetern Länge entfernen
2. mit einem scharfen Messer schräg anschneiden
3. untere Blattpaare entfernen
4. in ein Wasserglas stellen
5. warm halten
6. Wurzelbildung abwarten
7. tief in Töpfchen mit Anzuchterde stecken
8. Erde feucht halten
9. nach etwa drei Wochen auspflanzen
10. Stab zur Stabilisierung nutzen

Hinweis: Wenn die Tomatenstecklinge in Töpfe gepflanzt werden, lohnt es sich, diese bis zu den ersten Blättern tief in die Erde zu setzen. Dies verhindert, dass die Pflanzen vergeilen, und bildet die Voraussetzung dafür, dass sich schöne stabile Stängel entwickeln. Auch, wenn man die Tomatenpflänzchen später direkt in das Beet setzt, muss man sie tief in die Erde einpflanzen. Das Tiefersetzen gilt als Grundlage für robuste Pflanzen und eine reiche Ernte.

Vorteile der eigenen Tomatenzucht

Tomaten ausgeizenIndustriell hergestellte Tomaten sind schön anzusehen, lange haltbar und stoßfest. So ebenmäßig sie aussehen, so einheitlich ist ihr Geschmack. Wer die Vielfalt der Tomatenaromen erleben will, sollte alte Sorten ausprobieren.

Empfehlenswert sind:

  • Schwarze Krim (Fleischtomate mit schwarz-roten Früchten, sehr guter Geschmack)
  • Auriga (Stabtomate mit orangefarbenen, mittelgroßen Früchten, süß-säuerliches Aroma)
  • Grünes Zebra (Stabtomate, grüne Früchte mit gelben Streifen, ertragreich und hervorragend im Geschmack)

Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, findet auf Tomatenmärkten eine große Auswahl interessanter alter Sorten. Die Vermehrung durch Stecklinge aus Geiztrieben ist einfach und im Handumdrehen haben Sie gleich mehrere neue Pflänzchen.

Tipp: Immer wieder passiert es, dass Triebe von Tomatenpflanzen durch Sturm oder Unachtsamkeit abbrechen. Das ist ärgerlich, vor allem, wenn bereits Früchte sichtbar sind. Stellen Sie die abgebrochenen Triebe in ein Wasserglas oder in die Regentonne. Bei warmen Wetter bilden sich schnell Wurzeln und Sie können den abgebrochenen Trieb einpflanzen.

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